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Ihre Auswahl: Schütz-Werke-Verzeichnis 47

Originaltext

Jauchzet dem Herren, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Psalmen!
Lobt ihn mit Pauken und Reigen.
Lobet ihn mit Saiten und Pfeifen.
Mit Drommeten, mit Posaunen
jauchzet für dem Herrn, dem Könige.
	
Lobet, ihr Himmel, den Herren,
und die Erde sei fröhlich,
das Meer brause und was drinnen ist.
Lobet den Herrn, alle Heiden,
preiset ihn, alle Völker.
Denn seine Gnad und Wahrheit 
waltet über uns in Ewigkeit.
Alleluja.

(Concert)
[NSA Bd. 26]
Sound

Songauszug

Entstehung

Titelblatt  [Bild vergrößern][Bild vergrößern]

Im Februar 1617 erhielt Heinrich Schütz seine Bestallungsurkunde als Hofkapellmeister und 1619, nach dem Tode des Hofkapellmeisters Rogier Michael (1544 - 1619), die Ernennung zum Chursächsischen Hofkapellmeister am sächsischen Hofe Johann Georg I. Nachdem Schütz sich beruflich in Dresden etablierte, ging er nun auch private Bindungen ein: Am 1. Juni 1619 heiratete er Magdalena, die achtzehnjährige Tochter des Churfürstlich Sächsischen Land- und Tranck-Steuer-Buchhalters / des weiland Edlen und Hochbenahmten Herrn Christian Wildecks (Krause-Graumnitz, S. 174).

Ebenfalls an diesem Tag erschien sein Opus secundum: die Psalmen Davids (SWV 22 - 47). Es scheint, als habe der Komponist mit der Gleichsetzung von Lebens- und Werkdatierung die Zusammengehörigkeit beider Ereignisse an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt bekunden wollen.

Der ausführliche Titel des neuen Werkes weist schon in der Formulierung die Besetzungsmöglichkeiten auf: Die Psalmen Davids sampt etliche Motetten und Concerten mit 8 und mehr Stimmen, nebenst andern zweien Capellen / daß dero etliche auff drey und vier Chor nach beliebung gebraucht werden können.

Gewidmet ist dieses Sammelwerk Kurfürst Johann Georg I. in Dankbarkeit für das endgültig übertragene Direktorium und Kapellmeister-Amt am Sächsischen Hof.

Der Sammeldruck enthält 26 Titel, die Heinrich Schütz seit seiner Rückkehr aus Italien komponierte. Die Psalmen Davids sind ein Schlüsselwerk für das Verschmelzen von deutscher und italienischer Musiktraditionen.

Analyse

Das erste deutschsprachige geistliche Chorwerk von Heinrich Schütz basiert auf der Mehrchörigkeit, die in Deutschland am Beginn des 17. Jahrhunderts noch nicht so gepflegt wurde, wie bereits in Venedig. Schütz verband vollständige Psalmtexte mit der mehrchörigen, instrumental gestützten Concertmanier. (Moser, S. 252) In seiner Vorrede an den Kurfürsten Johann Georg I. erwähnt der Komponist, daß er etzliche Teutsche Psalmen auf Italienische Manier komponiert habe, zu welcher [er] von [seinem] lieben und in aller Welt hochberühmten Praeceptore Herrn Johan Gabrieln / ... / mit fleiß angeführet worden ... war. (Moser, S. 255)

Aus dem ausführlichen Titel - Die Psalmen Davids sampt etliche Motetten und Concerten mit 8 und mehr Stimmen, nebenst andern zweien Capellen / daß dero etliche auff drey und vier Chor nach beliebung gebraucht werden können - ist erkenntlich, daß das Sammelwerk nicht nur Psalmenvertonungen, sondern auch Motetten und Concerte enthält. In der ersten Schütz-Gesamt-Ausgabe (Bd. II und III hrsg. zwischen 1885-1894) wies Philipp Spitta darauf hin, daß die Nummern 1 bis 17 eine Hauptgruppe bilden und die restlichen Werke speziell als Concerto (Nr. 18, 25 und 26), Motette (Nr. 19 und 21) oder Canzone (Nr. 20) bzw. als Psalmen mit besonderer Besetzung gekennzeichnet sind.

Schütz nahm mit den Psalmen Davids eine Tradition auf, die sich vom königlichen Sänger David herleitete, dem die Psalmen zugeschrieben werden, obwohl er nicht alle selber gedichtet und gesungen hat. Der psalmodierende Gesang, der sich nicht zufällig dieser dichterischen Texte bemächtigt, ist bis in vorchristliche Zeiten zurückzuverfolgen und fand vom 14. Jahrhundert an eine kunstvolle mehrstimmige Ausformung von Komponisten wie Josquin, Senfl, Palestrina, Lasso, Gabrieli, Sweelink etc.; der Unterschied zum neuen Stil von Schütz ist offensichtlich.

Die Sammlung der Psalmen Davids besteht aus 26 Stücken, von denen:

  • 20 Texte aus dem „Psalterium“, dem Buch der Psalmen (nicht alle enden mit dem Gotteslob Ehre sei dem Vater...) stammen,
  • drei Vorlagen [Nr. 19, 20 und 25] aus anderen Quellen entnommen [1 Kirchenliedstrophe und 2 Texte aus den Propheten Jeremia und Jesaja] und
  • die Psalmen 128 und 136 gleich zweimal innerhalb des op. 2 vertont wurden.

Die Gemeinsamkeit, die alle Einzelstücke verbindet, ist die Mehrchörigkeit mit Basso continuo. In seiner Vorrede zu den Psalmen Davids gibt Schütz aufführungspraktische Hinweise, die die Ausführenden zum Musizieren auffordern und ihm gleichzeitig Tipps geben, wie die Stücke aufzuführen sind, damit sie die vom Komponisten gewünschte Wirkung erzielen.

Die vielfältige „Ausdrucksskala der Psalmen reicht von der verhaltenen Klage (Ps. 6: Ach Herr, straf mich nicht SWV 24) über mannigfache ernste und fröhliche Stimmungslagen bis zu derart triumphalem „Lärmen“ von archaischer Vehemenz. Und diese Musiksprache, nunmehr über 370 Jahre alt, ist heute noch verständlich. Große Kunst veraltet nicht!“ (Steude, CD-Heft zur Aufnahme, S. 19).

Rezeption

Die Psalmen Davids reihte Schütz in dem von ihm selbst erstellten Verzeichnis seiner bis dato gedruckten Werke von 1647 als opus 2 ein. In diesem Zusammenhang erhielt der Werktitel die Erweiterung „Erster Theil“, was darauf hindeutet, daß der Komponist ein ähnliches Werk plante oder sich zumindest die Möglichkeit dafür offen hielt.

Von den 13 Stimmbüchern des Originaldruckes sind 8 für Chori, vier für die Capellae und eines für den Basso continuo bestimmt. Bei der Ausstattung der Stimmbücher machte Schütz einen Unterschied zwischen Chori und Capellae; die ersten zeigen einen rot-schwarzen Titeldruck, die letzteren (ebenso wie das Continuo) einen schwarzen. Mit dieser äußeren Strukturierung der Stimmbücher verfolgte Schütz das Ziel einer sichtbaren Unterscheidung zwischen den Cori Fauoriti und den Capellen. In der Vorrede begründet er dies: Die Cori favoriti sind klein besetzt und mit den fähigsten Kräften auszuführen, enthalten die vollständigen Texte und bilden die eigentliche Substanz der Komposition. Daher sind sie unentbehrlich. Die Capellen, groß besetzt, können instrumental oder vokal-instrumental ausgeführt werden und dienen lediglich zum starcken Gethön / vnnd zur Pracht. Ihre Mitwirkung ist wünschenswert aber fakultativ. (vgl. NSA, Bd. 26, VIII)

Die Druckexemplare der Psalmen Davids verschickte Schütz an verschiedene Stadtverwaltungen und Kantoreien in Sachsen; Exemplare gelangten bis nach Breslau, Königsberg und Danzig. Mit dieser Komposition reihte sich Schütz in die Riege der berühmten Komponisten ein. Gregor-Dellin schrieb: [u]nd es ist erstaunlich, wie wenig diesen Mann der Ruhm berührt, verändert oder beirrt hat. (a.a.O. S.114)

Die Kompositionen waren für die Gottesdienstliche Verwendung während der ersten Amtsjahre in Dresden bestimmt. An Hand von Hoftagebüchern, Berichten, Protokollen, Drucken und anderen zeitgenössischen Zeugnissen kann man den liturgischen Einsatz für eine Reihe von Psalmen nachweisen. So erklang Psalm 2 Warum toben die Heiden am 4. Sonntag im Advent und zu Weihnachten, Psalm 111 Ich danke dem Herren von ganzem Herzen, im Rat der Frommen am Gründonnerstag und als Abendmahlsmusik, Psalm 150 an Neujahr und als allgemeiner Dankpsalm. Ganz besonders beliebt war Psalm 100, der häufig als allgemein rühmendes Lob anzutreffen ist. Die Kanzone Nun lob, mein Seel, den Herren gehörte vermutlich zum Geburtstags-Gottesdienst der Kurfürsten.

Die bei Brodde (S. 57) nachskizzierte Ordnung der Evangelischen deutschen Messe am Dresdner Hofe zeigt, welche zahlreichen Einsatzmöglichkeiten für die Psalmen und die noch folgenden geistlichen Werken des Hofkapellmeisters gegeben waren. Auf Grund der „Aktualität“ der Inhalte auch mit Brückenschlag in unsere Zeit und der sehr farbigen Umsetzung in Musik, bleiben die Psalmen Davids ein stets aktuelles Sammelwerk, das seinen Platz in der Musikpflege gefunden hat.

originale Widmung

Dem Durchlauchtigsten Hoch-
gebornen Fürsten vnd Herrn / Herrn Johann Georgio /
Hertzogen zu Sachsen / Gülich / Cleve / vnd Berg /
deß heiligen Römischen Reichs
Ertzmarschallen / Churfürsten / vnd desselben Reichs
in den Landen deß Sächsischen Rechtens
vnd an Enden in solch Vicariat gehörende / dieser zeit
Vicario, Landgrafen in Thüringen /
Marggrafen zu Meissen / Burggrafen zu Magdeburg /
Grafen zu der Marck vnd Ravenspurg / Herrn
zu Ravenstein &c

 

Meinem gnedigsten ChurFürsten vnd Herrn.

DVrchlauchtigster Hochgeborner Churfürst / Ewr Churfürstl. Gn. seynd meine vnterthänigste gehorsambste Dienste / vngespartes Fleisses jederzeit zuvor bereit.

Gnedigster Churfürst vnd Herr / E. Churfürstl. G. erinnern sich sonder zweiffel noch gnedigst / welcher gestalt dieselbe mich vngefehr vor dreyen Jahren in dero Dienst bestellet / auff vnd angenommen / vnd das directorium vnd CapellmeisterAmpt bey derselben fürtrefflichen / ansehenlichen vnd weitberümbten Music mir auffgetragen / deme ich auch nach der Maß / die der Allmechtige auß Gnaden verliehen / bißher ohne vngebürenden Ruhm zu melden / getrewlich vnd mit fleiß vorgestanden.

Wie nun vor diese vnnd andere bey werenden meinem Dienste mir vnwürdigen erwiesene hohe Churfürstliche Gnade ich billich vnterthänigst danckbar; Also wolte ich von grund meines Hertzens mehrers vnnd höhers nicht wündschen / denn es were vmb mein vermögen also bewandt / daß E. Churfürstl. Gn. solche meine schuldige vnterthänigste Danckbarkeit ich im Werck gehorsamblich erweisen könte;

Wann ich aber hierzu viel zu gering vnd wenig befinde / so hab ich doch lieber etwas thun als alle zeichen der danckbarkeit gentzlich vnterlassen wollen.

Vnnd demnach ich vor diesem etzliche Teutsche Psalmen auff Italienische Manier / zu welcher ich von meinem lieben vnd in aller Welt hochberühmten Praeceptore Herrn Johan Gabrieln / so lange in Italia ich mich bey jhme auffgehalten / mit fleiß angeführet worden / componiret / dieselben auch auff instendiges anhalten etzlicher vornehmer Leute in öffentlichen Druck zu geben mir fürgenommen: Als hab ich zugleich bey mir beschlossen / solche E. Churf. G. vnterthänigst zu dediciren, vnd hierdurch nicht allein meine vnterthänigste affection so wol die hohe Begierde / zum wenigsten ein Füncklein meiner schüldigen gehorsambsten danckbarkeit (weil ein mehrers zu thun mein vnvermögen mir noch zur zeit nicht zulesset / wie gut auch sonst der Wille sich hierzu bey mir befindet) scheinen zu lassen / sondern auch den Gebrauch / der bey publication dergleichen sachen vblich gehalten wird zu / bestercken.

Vnd ob ich zwar die imperfection vnnd Geringfügigkeit dieses meines operis gern erkenne / auch doher E. Churfürstl. Gn. hohen Churfürstlichen Person es gantz vnwürdig achte: weil aber hohe Potentaten / vnter welchen dieselbe der fürnemsten Stellen eine billich halten / dieses gleichsam in der natur haben / daß sie in dergleichen fällen nicht so auff die Ansehenligkeit deß Præsents / als vff das gemüth dessen / so es darreichet / jhr gnedigstes auffmerken richten. So lebe ich der vnterthänigsten Hoffnung / E. Churfürstl. Gn. werde diesen meinen Conatum vnd die große Begierde / welche sich nur etzlicher massen vor so vberauß hohe empfangene Churfürstliche gnade danckbar zu seyn bey mir befindet / Ihr zum wenigsten gefallen / vnd dieses mein schlechtes wercklein zu dero gnedigsten Protection, biß mit verleihung Göttlicher Gnade hiernechst etwas bessers folget / recommandiret seyn lassen: Inmassen ich dann darumb auch gantz gehorsamst bitten thue:

Ewr. Churfürstl. G. nebenst allen Ihren Churfürstlichen angehörigen / Gott dem Allmechtigen zu bestendiger Leibsgesundheit / langwiriger glücklicher Regierung / vnnd allem Churfürstlichen Wolstande / derselben aber zu beharrlichen Gnaden mich hiermit getrewlich vnnd vnterthänigst empfehlende. Datum Dreßden den 1. Junii im Jahr vnsers einigen Erlösers vnd Seligmachers Christi 1619.

Ewr. Churfürstl. Gn.
Vnterthänigster Gehorsambster Diener
weil ich lebe Henrich Schütz.

 

[in: Erich H. MÜLLER: Heinrich Schütz. Gesammelte Briefe und Schriften, Regensburg o. J. (1930), S. 59 - 61]

übersetzte Widmung

Kein Inhalt vorhanden.

Widmungsträger

Widmungsträger  [Bild vergrößern][Bild vergrößern]

Kurfürst Johann Georg I. (1585 - 1656), der 1611 als Nachfolger seines Bruders Christian II. (dieser starb kinderlos) die Kurwürde übernahm, war von 1617 bis zu seinem Tode der Dienstherr von Heinrich Schütz.

Zu einem ersten Kontakt zwischen dem Kurfürsten und Schütz kam es, als der gerade einige Monate aus Italien zurückgekehrte Schütz, der als 2. Kapellmeister am Kasseler Hofe angestellt war, von Landgraf Moritz von Hessen-Kassel im Herbst 1613 als Sekretär im Gefolge zu den Feierlichkeit an den sächsischen Hof mitreiste.

Das Bild dieses Mannes, Kurfürst Johann Georg I., wird ganz unterschiedlich beurteilt: einerseits brachte man ihm viel Vertrauen entgegen und setzte große Hoffnungen in ihn, andererseits wurde ihm seine zögerliche, vorsichtig zurückhaltende Politik vorgeworfen. Man hielt ihm vor, daß er der Jagd und der Geselligkeit besonders zugeneigt sei, der Musik allerdings nahm er sich nur an, weil er sie als fürstliches Status-Symbol verstand - eigentlich habe er sie nur der Reputation willen gebilligt, so Otto Brodde. (S. 49)

Als Musiker muß Schütz jedoch einen derartigen Eindruck bei Johann Georg I. hinterlassen haben, daß er sich den jungen Komponisten zu den Tauffeierlichkeiten für Prinz August „zur Verfügung stellen“ ließ, die im September oder Oktober 1614 stattfinden sollten.

Die musikalische Situation am Dresdner Hofe war nicht befriedigend: Rogier Michael konnte aus Alters- und Krankheitsgründen den Anforderungen für eine repräsentative Musik nicht mehr genügen, Hans Leo Haßler, der als Nachfolger von Michael eingesetzt wurde, verstarb 1613 und Praetorius war Kapellmeister von Hause aus. Deshalb bemühte sich Johann Georg I., Heinrich Schütz als Kapellmeister an den Hof zu binden. Nach mehrmaligem „Ausleihen“ vom Landgrafen Moritz, wurde Schütz am 12. Februar 1617 zum churfürstlich-sächsischen Capellmeister bestallt, zwei Jahre später zum churfürstlich-sächsischen Hof-Capellmeister.

Johann Georg I. war musikalisch nicht besonders vorgebildet und wird auch nicht als musikalisch besonders interessiert geschildert. Die eigentliche Bedeutung Schütz‘ wurde ihm von seinen Beratern klar gemacht.

originale Vorrede

Allen der Music erfahrnen meinen Gruß vnd Dienst zuvor.

Ob ich es wol fast für vnnötig erachtet / von Anstellung dieser meiner Psalmen vnd mehrer Composition / etwas zu schreiben / dieweil verständigen Capellmeistern / nach Gelegenheit einer jeden Capell vnd Qualiteten der Personen / dieselben anzuordnen / frey stehet / Jedoch damit auch denen / welche hierumb deß Authoris Meinung zu wissen verlangen haben / ein Genüge geschehen möge / als habe ich folgende wenige Pass, darauff man fürnemblich achtung zu geben / hierbey erinnern wollen.

1. Müssen die Cori Fauoriti von den Capellen wol vnterschieden werden. Cori Fauoriti werden von mir die jenigen Chor vnd Stimmen genennet / welche der Capellmeister an meisten fauorisieren / vnd auffs beste vnd lieblichste anstellen soll / da hingegen die Capellen zum starcken Gethön / vnnd zur Pracht eingeführet werden. Derowegen dann der Organist diese terminos, wie sie im Basso continouo zu finden / in acht nemen / vnd die Orgel mit guter discretion, bald still / bald starck registeriren wolle.

2. In disposition vnd Anordnung der Capellen so zwey Chöricht / kann man in acht nemen / daß die Chor creutzweiß gestellet werden / vnd daß Capella I. dem andern Coro Fauorito, vnd hingegen Capella 2. dem ersten / etc. am nechsten sey / so werden die Capellen den gewündschten effect erreichen.

3. Psalm. Ich hebe meine Augen auff. Psalm. Der HErr ist mein Hirt. Concert. Lobe den HErren meine Seele (hierzu kan auch: Nun lob mein Seel den HErren. Canzon gerechnet werden / wann man die Instrumental Capellen außlassen / vnd nur mit 8. bestimmen wil.) In obgesetzten wird Coro secondo für eine Capell gebraucht / vnd dahero starck bestimmet / weil aber Coro I. welches ist Coro Fauorito hingegen schwach / vnd nur von vier Sängern ist / als stehet einem jeden frey / ob er auß gemelten Coro I. nach dem strichlein / wo Capella stehet / abcopiren / vnnd also eine andere Capell absonderlich anstellen wolle / so wird sich alsdann eine bessere Proportion der Chor ereignen.

4. Die Capellen, so mit hohen Stimmen gesetzet / seynd meistentheils auff Zincken vnd andere Instrument gerichtet / Jedoch wann man auch Sänger dabey haben kan / ist so viel desto besser / vnnd auff diesem fall mag man auß den tieffen Baß stimmen mit dem F auff der fünfften Lini / welche für den großen Violon, Quartposaun, Fagott bequemet sind / andere Bässe mit rechten Ambitu vor die Bassisten / vnd mit dem F auff die vierdte Lini abschreiben.

5. Wo dergleichen Instrumental Capellen mit hohen Clavibus gefunden werden / ist leichtlich zu ermessen / daß hingegen die Cori fauoriti mit Sängern bestimmt werden müssen / wie dann meistes theils in diesem gantzen opere, biß auff die Moteten, Corcert &c. gemelte Chor zum singen gemeint. Wiewol auch etliche der Psalmen / als nemlichen: 1. HErr vnser Herrscher. 2. Wol dem der nicht wandelt. 3. Wir lieblich. 4. Wol dem der den HErren fürchtet / sich nicht vbel schicken / wann der höhere Chor mit Zincken / Geigen / der nidrige mit Posaunen oder andern Instrumenten gemacht / vnnd auff jedem Chor eine Stimme darneben gesungen wirdt.

6. Weil ich auch gegenwertige meine Psalmen in stylo recitativo, (welcher bis Dato in Teutschland fast vnbekandt) gestellet / wie sich dann zu composition der Psalmen / meines erachtens fast keine bessere art schicket / dann daß man wegen menge der Wort ohne vielfältige repetitiones jmmer fort recitire, als gelanget an die jenigen / welche dieses modi keine Wissenschaft haben / mein freundlich bitten / sie wollen in Anstellung berührter meiner Psalmen sich im Tact ja nicht vbereylen / sondern der gestalt das mittel hatten / damit die Wort von den Sängern verständlich recitirt vnd vernommen werden mögen. Im widrigen fall wird eine sehr vnangenehme Harmoney vnd anders nicht als eine Battaglia di Mosche, oder Fliegenkrieg darauß entstehen / der intention deß Authoris zu wider.

7. Der Basso continovo ist eigentlich nur für die Psalmen gemeinet / von der Motet an: Ist nicht Ephraim / biß zum Beschluß deß operis werden sich fleissige Organisten mit absetzen in die Partitur zu bemühen / wie dann auch sonsten (wofern mehr als eine Orgel gebraucht werden soll) durch die Psalmen die Bässe herauß zu ziehen wissen.

Welches ich also gutmeinenden Musicis zur Nachrichtung geben / vnnd mich denenselben mit dieser meiner geringen Arbeit / biß hiernechst mit Gottes Hülff etwas bessers folget / schließlichen zu angenemen Diensten befehlen wollen.

 

Heinrich Schütz.

[in: Erich H. MÜLLER: Heinrich Schütz. Gesammelte Briefe und Schriften, Regensburg o. J. (1930), S. 62 - 64]

übersetzte Vorrede

Kein Inhalt vorhanden.

Quellenangaben Sound

Heinrich Schütz: Psalmen Davids. Complete 26 Psalms., Kammerchor Stuttgart, Musica Fiata, Frieder Bernius, SONY, 1992

Quellenangaben Noten

Heinrich Schütz: Psalmen Davids. Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bde. 1-3, Wilhelm Ehmann, Kassel, 1971, 1979, 1981

Heinrich Schütz: Psalmen Davids. Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 4, Werner Breig, Kassel, 1994

Quellenangaben Bild

Porträt, Kurfürst Johann Georg I, Druckfaksimile, Archiv Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz

Titelbild, Psalmen Davids, Druckfaksimile, Archiv Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz

Quellenangaben Literatur

Martin Gregor-Dellin, Heinrich Schütz. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit, München, 1984

Otto Brodde, Heinrich Schütz. Weg und Werk, Kassel, 1972

Michael Heinemann, Heinrich Schütz und seine Zeit, Laaber, 1993

Heinz Krause-Graumnitz, Heinrich Schütz. Sein Leben im Werk und in den Dokumenten seiner Zeit., 2 Bände, Leipzig, 1985

Christiane Engelbrecht, Art.: Moritz von Hessen, in: MGG 1 Bd. 9, Sp. 584ff., Kassel, 1961

Erich H. Müller, Heinrich Schütz. Gesammelte Briefe und Schriften, Regensburg o. J., 1930

Jörg-Peter Findeisen, Der Dreißigjährige Krieg. Eine Epoche in Lebensbildern, Darmstadt, 1998

Wolfram Steude, CD Beiheft von: Heinrich SCHÜTZ: Psalmen Davids. Complete 26 Psalms. Kammerchor Stuttgart, Musica Fiata, Ltg.: Frieder Bernius, SONY, 1992

 

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